Video Art Channel: Bisheh von Mary Ana (2017)

Freitag, 15. Juni von 18.00 – 20.00
Samstag, 16. Juni von 18.30 – 20.30
Video Art Channel
im Rahmen des KLIRRRRR Festivals

Bisheh (Mary Ana 2016, Iran/Sweden, 15 min, Video)

Bisheh (Persisch: بیشه ) bedeutet soviel wie „Dickicht“. Das Kreieren von Verbindungen, selbst unter den schwierigsten Bedingungen, ist eine der herausragenden ästhetischen und politischen Praktiken von Mary Ana. In Bisheh geschieht dies durch Korrespondenzen: Sie schreibt einen Brief an eine Freundin, die weit von ihr entfernt ist, auch von dir, und beschäftigt sich so mit den Auswirkungen von Distanz und Grenzen. Wir könnten es einen Video-Liebesbrief nennen. Parallel dazu umgeben sich drei Frauen mit Materialien ihres Alltags, um sich auf einen kommenden Widerstand vorzubereiten, der irgendwo außerhalb, an jedem Ort und zu jeder Zeit, stattfinden kann.

Bisheh von Mary Ana (2017)

Maryam Sheikh (1981) ist eine iranische Künstlerin und Aktivistin, die Videos, Zeichnungen und Kurzgeschichten erstellt. Sie studierte Persisch und Literatur im Iran. 2013 verließ sie das Land wegen des Drucks, den die iranische Regierung aufgrund ihrer Aktivitäten innerhalb der Student*innen-, Arbeiter*innen-, Feminismus- und LGBTQ-Bewegungen auf sie ausübte. Sie fand 2015 in Norrköping, Schweden, Zuflucht. Seitdem hat sie vier Filme realisiert, darunter The Weavers (10min, 2015), Bisheh (15min, 2016), Resistance is life (13min, 2016) und Suspense (18min, 2017). Ihre Arbeiten beschäftigen sich hauptsächlich mit den Lebensbedingungen von Frauen, Immigrant*innen und LGBTQ. Maryam Sheikh hat außerdem Filmkurse an der Marieborg Filmschule belegt sowie den Dokumentarfilmkurs Working With the Real an der Universität Linköping besucht. Sie lebt derzeit als Geflüchtete in Schweden.

Maryam Sheikh hat einen YouTube Channel.

Der Brief (auf Schwedisch gelesen, auf English getippt): Liebe Shen,

Heute habe ich über Grenzen nachgedacht, die Grenzen, die diesen Brief ermöglichen. Und ob ein Liebesbrief die Grenzen zwischen hier und dort überwinden kann, wenn Worte als Affekte zum Auftritt kommen, die weder eine Quelle noch ein Ziel haben, sondern einen offenen Verbindungsraum zu jedem möglichen Du hervorbringen, du unerwartete Gast, und ich, die ich an dich gebunden bin, dort, wo du im Dickicht stehst, nahe deiner Eule, die kurz vor dem Abflug ist.

Können diese Worte fliegen? Diese bleiernen Flügel und tintigen Wunden, die dem Papier eingeschrieben sind, kann ich mit den Bewegungen meiner von dir weit entfernten Finger die fliegenden Worte einer revolutionären Liebe fangen?

Die Tonspur des Videos:

Bisheh hat vier klar unterschiedene Sound-Teile: Es beginnt mit dem Fauchen einer Sprühflasche; der zweite Teil ist eine Art Dialog, vielleicht ein Missverstehen, zwischen dem energischen Tippen und Klackern einer Schreibmaschine und dem langgezogen traurigen Tönen einer Mundharmonika. Dann ein Teil, der strukturiert ist durch das gleichmäßige Klicken eines Diaprojektors, ergänzt durch Klackklack von Messer auf Holz, bzw. Tocktock von Holz auf Holz. Am Ende ein Popsong mit dem Refrain “United! United!”.

(erfahren und beschrieben von: Antke Engel, Jule Gießler, and Anna Letsiou)